Leseprobe 1
... Eigentlich hatten wir zu unserem dreißigsten Hochzeitstag eine neue Küche geplant. Aber dann kam Fritz plötzlich mit Kreuzfahrtprospekten nach Hause: "Schau mal, du hast doch immer von Ceylon geträumt!" Er hielt mir ein Foto von einem x-beliebigen Palmenstrand unter die Nase, und als ich nicht gleich etwas sagte, brach es aus ihm heraus: "Dreißig Jahre, Rieke! Verdammt noch mal, worauf wollen wir warten?"
Wäre es bei dem geplanten Reiseablauf geblieben, hätten sich die Kulturen Osteuropas, Arabiens, Indiens und Südostasiens wie die Seiten eines riesigen Bilderbuchs vor uns aufgetan. Doch es kam der grauenvolle elfte September und wenig später - Fritz hatte unsere Koffer gerade vom Hängeboden geholt - ein Fax von der Reederei. Darin wurden alle Landgänge in arabischen Staaten abgesagt: Das Risiko eines Anschlags auf U.S.-amerikanische Passagiere sei einfach zu hoch. Wir schauten uns ungläubig an. Hätten wir doch besser eine neue Küche gekauft?
"Bleibt hier", rieten ein paar verwandte Miesegesichter und beschworen alle paar Tage andere, noch größere Katastrophen herauf, meinten auch, dass für sie die Vorstellung, auf einem Schiff fahren zu müssen, das nicht anlegen dürfe, ganz und gar unerträglich sei.
Wir haben trotzdem gepackt. Vielleicht würde sich die Lage ja wieder entspannen. Als wir beim Einchecken in Piräus noch einmal fragten, wurde uns vom Hotelmanager aber glatt ein Vogel gezeigt. Ob wir 's nicht wüssten, meinte er ziemlich gereizt, die Versicherungen verlangten jetzt für das Anlegen in einem arabischen Hafen den fünffachen Preis.
